Die offene Initiativ-Bewerbung von Frank Hamm hat in den letzten Wochen die Runde gemacht. Auf seiner Seite veröffentlichte er eine Stellenanzeige, die nicht nur sein Profil, sondern auch seine Anforderungen an ein Unternehmen beinhaltete: Neben der Bitte um ein dynamisches Zeitmodell ist darunter auch der Wunsch, “aufgabenbezogen im Büro, zu Hause und unterwegs arbeiten” zu können.
Obwohl er kein Vertreter der Generation Y ist, ist er in Social Media ein wahrer Tausendsassa: Kaum eines der großen Netzwerke auf dem er nicht aktiv ist. Was nicht verwundert, zumal er schon zu Zeiten von C64 digital aktiv war. Neben der Anzeige in seinem Blog und der Verbreitung über sein Twitter-Profil nutze Frank Hamm auch Facebook-Ads um sich zu promoten. Seine Überlegungen diesbezüglich und sein Tracking der gesamten Aktion wurde sauber aufgelistet.
Wir freuen uns, dass sich Frank Hamm die Zeit genommen hat, uns ein paar Fragen zu seiner Jobsuche 2.0 zu beantworten:
Herr Hamm, Sie nutzen Ihr Blog und Ihre anderen Social Media Kanäle gezielt zur Jobsuche. Warum haben Sie sich für diesen Weg entschieden?
“Ich habe mich für diesen Weg entschieden, weil ich in Social Media seit 2005 unterwegs bin und auch einen entsprechenden Job suche. Ein klassisches Stellengesuch – vielleicht sogar in einem Printmedium – erschien mir nicht angemessen. So kann ich einerseits zeigen, dass ich hier zu Hause bin. Andererseits spreche ich damit Personen an, denen diese Welt nicht fremd ist. Ein Unternehmen, das einen Social Media Manager einstellen möchte, sich aber mit der Thematik noch gar nicht beschäftigt, wollte ich damit nicht erreichen.”
Verfolgen Sie Ihre Kampagne intensiv, oder lassen Sie diese eher nebenbei laufen und schauen, was sich so ergibt? Wie viel Zeit investieren Sie täglich?
“Social Media ist ein Bestandteil meines Lebens geworden. Viele Tätigkeiten erledige ich sozusagen nebenbei, beispielsweise schnell einmal auf Twitter oder Facebook nachschauen und eine Antwort absetzen. Zusätzlich lasse ich Abfragen einen Großteil der Beobachtung für mich übernehmen. Mittlerweile ist die Kampagne auch abgeflacht. Anfangs habe ich zwei bis drei Stunden täglich investiert, inzwischen brauche ich kaum noch Zeit für das Beobachten und Reagieren. Wenn Bedarf entsteht, dann sind das konkrete Anfragen so wie Ihre Interviewanfrage. Die kommen dann normalerweise über klassische Kanäle wie Email oder Telefon.”
Haben Sie schon erste Rückmeldungen erhalten?
“Die Resonanz auf meine Kampagne war größer als ich gedacht hatte. Die Reaktionen waren von der Bandbreite her neutrale Retweets auf Twitter (“einfaches Zitieren”), Zustimmung über “Likes” auf Facebook und Äußerungen, die Respekt und Zustimmung formulierten. Einige meiner Kontakte haben mich sogar empfohlen, das hat mich besonders gefreut. Über Kontakte und Ergebnisse werde ich allerdings erst dann etwas berichten, wenn ein konkretes Ergebnis vorliegt. Namen werde ich aber auch dann nicht nennen – außer spätestens am ersten Arbeitstag den meines neuen Arbeitgebers
”
War darunter auch kritisches oder gar negatives Feedback? Wie reagieren Sie darauf?
“Erstaunlicherweise gab es kein richtig kritisches oder negatives Feedback. Eher einmal eine offene Frage an die Allgemeinheit, ob es wirklich eine gute Idee sei, so offen damit umzugehen. Ich finde schon, sonst hätte ich es nicht gemacht. Die meisten fanden, es sei “cool” oder eine “super Idee”. Bei negativem Feedback kommt es auf die, Art an, wie die Kritik vorgebracht wird. Wenn die Kritik unsachlich oder gar verletzend ist, kann es sinnvoll sein, sie einfach zu ignorieren. Aber vielleicht habe ich auch etwas übersehen und die Kritik bringt diesen Punkt hoch, dann können ich und andere daraus lernen. Andere können aus ihrer Sichtweise etwas dazu beitragen, dann sollte man auch darauf eingehen.”
Haben Sie Tipps für Menschen, die ihre Jobsuche ebenfalls aktiv mit Social Media unterstützen wollen?
“Machen Sie etwas Ungewöhnliches, das überrascht und zu Ihnen passt. So eignet sich eine Anzeige in einer Tageszeitung weder für Social Media noch für mich. Dieselbe Aktion wird kaum noch einmal überraschen. Bei mir waren es zwei Überraschungsfaktoren: Die Facebookanzeige und das “Drehen” meiner Stellenanzeige, in der ich einem Unternehmen eine Stelle als Arbeitgeber anbiete. Das in Verbindung mit einem guten Netzwerk, aber auch die Reichweite bis zu mir bis dahin Unbekannten, hat zu dem Kampagnenerfolg geführt. Selbst wenn ich keinen Job aufgrund der Kampagne finden sollte, so habe ich mit knapp 70 Euro für die Facebookanzeige und etwas Zeit mein Netzwerk und meine Bekanntheit gesteigert. Mit Social Media ist vieles möglich. Und vor Allem: Bleiben Sie Sie selbst, verstellen Sie sich nicht.”
Pic: Frank Hamm